Historie

Die Kaiserliche Trabantenleibgarde oder „Welsche Garde“ hatte mehrere historische Namen, man ist sich nicht sicher welcher letztendlich Verwendung fand. Die „Welschegarde“ ist des Kaisers Elite Truppe die ca. 1500 Mann stark ist und an allen Brennpunkten im Reich eingesetzt wurde. Formell unterstand die Garde dem Oberst-Hofmeister (Marschall).  Die Welsche Garde ist beritten mit Ross und schwerer Panzerung die sogenannten Panzerreiter (Schwerer Kavallerieverband). Die Welsche Garde entwickelte sich aus der persönlichen Leibwache Kaiser Maximilian I. , fünfzig der höchsten Ritter des Heiligen Römischen Reiches dienten aber als ständiger Schutz des Kaisers als Kaisergarde. Zudem diente die Garde auch immer wieder dazu, den wandernden Hof des Kaisers zu schützen. In diversen Turnieren Kaiser Maximilian I. waren seine Ritter beim Tjost und Schwert Kampf „Welsch-Gestech“. Kaiser Karl V. übernahm nach dem Tod Kaiser Maximilians I. 1519 die Garde.

  1. Die „Wesche Garde“ (Burgundische Garde) unter Kaiser Maximilian I.
    Maximilians militärisches Wissen war sicher von den Heeresordnungen Karls des Kühnen
    beeinflusst. Denn entweder 1473 oder 1475 hatte ihm der Herzog eine Prachtausgabe
    seiner Heeresordnung von 1473, die als die fortschrittlichste ihrer Zeit galt, zukommen
    lassen. Maximilian hat dieses Werk offenbar auch genauer studiert, da zahlreiche
    Randnotizen von seiner Hand vorhanden sind.465
    Nach dem Tod Herzog Karls des Kühnen wurde seine einzige Tochter, Maria von
    Burgund (1457–1482), die Alleinerbin des Herzogtums. Da Maria noch ledig war, galt sie
    als sehr attraktive Partie, da sie nicht nur Burgund, sondern auch die Niederlande (diese
    umfassten u. a. Holland, Flandern, Luxemburg und Brabant) als Mitgift in eine Ehe
    bringen würde. Das Rennen machte schließlich der um zwei Jahre jüngere Maximilian,
    Erzherzog von Österreich und Sohn Kaiser Friedrichs III.466
    Maximilian übernahm mit der Hochzeit am 20. August 1477 nicht nur Burgund und die
    Niederlande, sondern auch die Reste der burgundischen Ordonnanzkompanien. Diese
    waren aber nach den herben Niederlagen in den Burgunderkriegen nur mehr ein Schatten
    ihrer selbst.467
    Der junge Erzherzog stellte nun die besten adeligen Ritter und gemeinen Knechte in den
    Dienst seiner Gardetruppe. Damit aber nicht genug. Um die Garde auf hohem Niveau zu
    halten, ließ er sie sorgfältig ausbilden und unter ständigem Drill halten. Die
    Zurschaustellung der strengen Disziplin der Garde sorgte manchmal auch schon für einen
    kampflosen Sieg, so geschehen anlässlich des Aufstandes in Brüssel (1488). Angeblich
    wurde die aufrührerische Bevölkerung vom rhythmischen Klopfen der Gardisten auf
    deren Waffengriffen so eingeschüchtert, dass sie freiwillig die Waffen niederlegte.468
    Formell unterstand die burgundische Garde dem Hofmarschall. Sie hatte sich nämlich aus
    der persönlichen Leibwache Maximilians entwickelt und wurde an den Brennpunkten des
    Reiches eingesetzt.469 Zudem diente die Garde auch immer wieder dazu, den wandernden
    Hof des Kaisers zu schützen.470
    465 Marti/Borchert/Keck: Karl der Kühne, Kat. 48, S. 221.
    466 Noflatscher: Maximilian I.
    467 Funcken: Historische Waffen, S. 188.
    468 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 5, S. 507.
    469 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 235f.
    470 Ebd., S. 231.
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    Als Leibtruppe hätte die Garde ja immer in Maximilians Nähe sein sollen. In einem
    exemplarischen Vergleich der Aufenthaltsorte der Garde und Maximilians zwischen 1499
    und 1504 ergibt sich aber ein anderes Bild:
    Tab. 3: Aufenthaltsorte der Garde und Maximilians I.
    Datum Ort Garde Ort Maximilian
    Distanz
    (Luftlinie)
  2. 1. 1499 Geldern471 Emmerich 40 km
  3. 4. 1499 Überlingen472 Überlingen –
    7./8. 5. 1499 nahe Landser im Elsass473 Tettnang 170 km
    2./3. 6. 1499 Altkirch474 Rodund (Münster – Mustair) 270 km
  4. 7. 1499 Dornach (Solothurn)475 Konstanz 120 km
    2./3. 9. 1499 Pfirt (frz. Ferrette)476 Rottenburg am Neckar 160 km
    1. 1499 Tettnang477 Innsbruck 140 km
  5. 4. 1500 Novara478 Augsburg 370 km
  6. 9. 1500 nahe Ensisheim479 Innsbruck 300 km
  7. 4. 1502 Augsburg480 Innsbruck 120 km
  8. 7. 1503 Füssen (?)481 Füssen (?) –
  9. 3. 1504 Isny im Allgäu482 Augsburg 100 km
    Man erkennt, dass sich Maximilian und die Garde nur selten an ein und demselben Ort
    aufhielten, was gegen die bloße Funktion als Leibgarde spricht.
    471 RI XIV n. 12842, Domherr Peter von Aufseß berichtet Bf. Lorenz von Würzburg, 13. Jänner 1499,
    Worms.
    472 RI XIV n. 9136, Reichserbmarschall Wilhelm von Pappenheim an den Bürgermeister und den Rat der
    Stadt Augsburg, 28. April 1499, Überlingen.
    473 RI XIV n. 13227, Hofmarschall Gf Heinrich von Fürstenberg an KM, 7. Mai 1499, Landser
    474 RI XIV n. 13376, Statthalter, Hauptmann Kappeller und Räte im Feldlager zu Altkirch an Gf. Heinrich
    von Fürstenberg, 2. Juni 1499, Altkirch.
    475 RI XIV n. 13578, Mathäus Clauss berichtet der Stadt Nördlingen, 22. Juli 1499, Dorneck.
    476 RI XIV n. 13726a, Der päpstliche Legat Leonello Chieregati an Papst Alexander VI., 2. September 1499,
    Innsbruck.
    477 RI XIV n. 13844, Gf Ulrich von Montfort an KM, 16. November 1499, Tettnang
    478 RI XIV n. 14032, Der päpstliche Zeremonienmeister Johannes Burchard berichtet in seinem Tagebuch,
  10. April 1500, Novara.
    479 RI XIV n. 10865, Sernteiner an Caspar (Ziegler?), 13. September 1500, Innsbruck.
    480 RI XIV n. 16255, KM an Dietrich Stengl, 20. März 1502, Innsbruck.
    481 RI XIV n. 17408, Gaspare de Comite berichtet Alessandro di Besaza, 10. Juli 1503, Füssen(?).
    482 RI XIV n. 18470, KM an Landhofmeister, Marschall, Kanzler, Statthalter und Räte des Regiments und
    der Raitkammer in Innsbruck, 29. März 1504, Augsburg.
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    3.1. Die Garde um 1500
    Hermann Wiesflecker, ein ausgesprochener Kenner Maximilans I., erwähnt die Garde das
    erste Mal im Jahr 1488.483 Der deutschsprachige Begriff der „welschen“ oder
    „burgundischen“ Garde tritt anscheinend erstmals im Jahr 1494 auf. Nikasius Hackenay
    berichtet in einem Schreiben vom 6. September 1494 an Maximilian, dass er sich um die
    Beschaffung von 2.000 Gulden zur Besoldung der Garde bemühe.484
    Schon die nächste Erwähnung der Garde beinhaltet einen kriegerischen Hintergrund. In
    einem Bericht des Chronisten Johannes de Los beschreibt dieser, wie das Kriegsvolk
    Maximilians 1494 heimlich die Stadt Tongern (heute Tongeren, Belgien) besetzt hat. De
    Los beschreibt das Kriegsvolk als „le gard“.485 Dieser Bericht lässt allerdings einige
    Zweifel aufkommen, ob es sich hierbei tatsächlich um die Leibgarde Maximilians handelt.
    So entsprach es nicht dem Verhalten der Garde, Städte zu besetzen. Denn die Garde war
    ein schwerer Kavallerieverband, der sich kaum für die heimliche Besetzung einer Stadt
    eignete.
    Einen ersten Hinweis auf die Mannschaftsstärke der Garde liefert ein venezianischer
    Gesandtenbericht vom 27. April 1496: Hierin schrieb der Gesandte, dass Maximilian 500
    Mann der burgundischen Garde in die Grafschaft Pfirt (heute Ferrette, Elsass –
    Frankreich) schickte. Von hier aus sollten die Soldaten nach Italien weiter ziehen.486 Aus
    diesem Schreiben kann man eine Stärke der Garde von 500 Mann entnehmen, allerdings
    dürfte sie wohl größer gewesen sein. Denn die Worte „500 Mann der burgundischen
    Garde“ bezeichnen sehr wahrscheinlich nut einen Teil der Garde und lassen somit auf
    mehr Soldaten schließen.
    Man kann mit Sicherheit annehmen, dass die Kopfstärke der Garde nie konstant war.
    Denn immer wieder schieden Söldner aus der Truppe aus oder es kamen neue hinzu.
    Besonders nach verlustreichen Schlachten konnte die Mannschaftsstärke stark schwanken.
    Der erste gesicherte Kampfeinsatz der Garde erfolgte im Zuge der Aufstände in den
    Niederlanden 1497. Maximilian nahm hier nicht persönlich an den Kampfhandlungen teil,
    sondern entsandte seinen Sohn, Erzherzog Philipp, genannt „der Schöne“, um die
    Aufstände niederzuschlagen. In einem Bericht an seinen Vater vom 16. Oktober 1497
    483 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Bd. 1, S. 235f.
    484 RI XIV n. 3124, Nikasius Hackenay an KM, 6. September 1494
    485 RI XIV n. 1354, Bericht des Chronisten Johannes de Los, 27./28. Februar 1495, Maastricht.
    486 RI XIV n. 3929, Gesandtenbericht des Zaccaria Contarinis nach Venedig, 27. April 1496, Augsburg.
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    schildert Philipp seine Erfolge: Mit 1.000 deutschen Knechten (wahrscheinlich
    Landsknechten), unter der Führung des Herzogs Albrecht von Sachsen, und der
    burgundischen Garde konnte der Erzherzog mehrere Siege feiern. Er eroberte und
    zerstörte nämlich mehrere Städte und Dörfer in der Nähe von Gorchem und Ledrdam
    (heute Leerdam, Niederlande). Weiter Angriffe waren aufgrund mangelnden Soldes nicht
    möglich, da die Truppen so nicht länger dienen wollen.487 Ein Problem, das sich wie ein
    roter Faden durch die gesamten militärischen Anstrengungen Maximilians zieht.
    Nach dieser Episode in den Niederlanden verschwindet die Garde für ein Jahr im Dunkel
    der Geschichte. Der nächste Eintrag erfolgt jedenfalls erst zu Beginn des Jahres 1499 und
    liefert einen interessanten Hinweis. In einem Bericht des Domherren Peter von Aufseß
    findet sich diese Passage: „Eine von KMs Garden, genannt die burgundische Garde,
    =welische gardian [Hervorhebung im Original], soll durch die Gelderer Schaden
    genommen haben“.488 Die Worte „Eine von KMs Garden“ würden darauf schließen
    lassen, dass die burgundische Garde nicht die einzige Eliteeinheit Maximilians war. In den
    Online-Regesten findet sich aber keine Spur einer weiteren Gardeformation. Bei den
    anderen „Garden“ könnte es sich um bewährte und zuverlässige, also elitäre, Verbände
    gehandelt haben.
    Auf die Bezeichnung „welische gardian“ bzw. ähnliche Formen trifft man des Öfteren.
    Offenbar war dies der zeitgenössische Name der stehenden Reitertruppe. „Welsch“ oder
    „welisch“ ist hierbei nicht die Eigenbenennung der Einheit, sondern die allgemeine
    zeitgenössische deutsche Bezeichnung für alles Romanische, besonders Französische. Der
    Begriff „burgundische Garde“ scheint nicht in Gebrauch gewesen zu sein, höchstens im
    Zusammenhang mit der Stationierung der Truppe.
    Die Befehlsgewalt über die Garde lag anscheinend nicht nur in der Hand Maximilians,
    vielmehr hatte auch der Hofmeister seiner Frau Niklas von Firmian starken Einfluss auf
    ihren Einsatz. Ebenfalls konnte Königin Bianca Maria diesbezüglich ihre Beziehungen
    spielen lassen. Anfang des Jahres 1499, im Zusammenhang mit dem Schweizerkrieg, wird
    dies mehrmals deutlich: So bittet einmal Paul von Lichtenstein den Hofmeister Niklas von
    487 RI XIV n. 8339, Ehg. Philipp an seine Gesandten bei KM, 16. Oktober 1497, Brüssel.
    488 RI XIV n. 12842, Domherr Peter von Aufseß berichtet Bf. Lorenz von Würzburg, 13. Jänner 1499,
    Worms.
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    Firmian, die Garde dem Landvogt im Elsass zur Verfügung zu stellen, sodass dieser die
    Grenze besser schützen könne.489
    Auch besaß Erzherzog Philipp, der Sohn Maximilians, als Statthalter der Niederlande, die
    ja unter Karl dem Kühnen zu Burgund gekommen waren, das Befehlsrecht über die
    burgundische Garde.490
    Wichtig ist, in diesem und einigen der folgenden Dokumente, dass sich die Garde häufig
    in der Freigrafschaft Burgund befindet.491 Man kann daraus folgern, dass die burgundische
    Garde zwar eine stehende Militäreinheit war, sich aber nach jedem Einsatz wieder in die
    Freigrafschaft zurückzog. Dieser Standpunkt am Rand des Reiches war einer gezielten
    und schnellen Kriegsführung an den verschiedenen Brennpunkten nicht besonders
    förderlich. Auch wenn sich die Garde aus Kavalleristen zusammensetzte, musste sie
    dennoch Rücksicht auf ihren Tross nehmen. Für den Einsatz im Schweizer Raum und
    Aktionen gegen Frankreich war dieser Standpunkt allerdings ideal.
    Im weiteren Verlauf des Schweizerkriegs wird die Garde von einem Brennpunkt zum
    anderen geschickt, greift aber nur selten in direkte Kampfhandlungen ein. Eine der
    Ausnahmen bildet ein Gefecht bei Basel, wie Reichserbmarschall Wilhelm von
    Pappenheim berichtet: Nach dem feierlichen Einzug Maximilians in Überlingen befahl er
    einem großen Aufgebot, das aus „seinem Hofgesinde, der burgundischen Garde
    [Hervorhebung durch den Autor] […], etlichen Hochburgundern […] und den 1400
    Knechte aus den Niederlanden samt jenen von Straßburg, Colmar und Schlettstadt sowie
    jenen aus dem Elsass. [sic!] Sundgau und Breisgau, insgesamt ca 10000 Mann zu Roß und
    zu Fuß“ Richtung Basel zu ziehen. Den Befehl über die Armee hatten die Feldhauptleute
    Graf Heinrich von Fürstenberg und Friedrich Kappeller (Cepler) inne. Am 27. April 1499
    kam es schließlich zur Schlacht mit den Eidgenossen, wobei das königliche Heer „mit
    Hilfe des allmächtigen Gottes gesiegt haben“ soll.492
    Wenn auch nicht allein, sondern in einem großen Verband, hat die burgundische Garde
    bei Basel einen Erfolg gefeiert. Bei dieser Schlacht dürfte es sich aber „nur“ um einen
    kleineren Zusammenstoß der verfeindeten Mächte gehandelt haben, da sie nicht zu den
    großen und entscheidenden Konfrontationen des Schweizerkriegs zählt.
    489 RI XIV n. 12951, Paul von Liechtenstein an Niklas von Firmian, 19. Februar 1499, Konstanz.
    490 U. a. RI XIV n. 13805, Sanuto erfährt vom venez. Provveditore aus Riva, 24. Oktober 1499, Riva del
    Garda.
    491 U. a. RI XIV n. 12983, K. von Mörsberg an Niklas von Firmian, 24. Februar 1499. Waldshut.
    492 RI XIV n. 9136, Reichserbmarschall Wilhelm von Pappenheim an den Bürgermeister und den Rat der
    Stadt Augsburg, 28. April 1499, Überlingen.
    139
    Die burgundische Garde fungierte auf dem eidgenössischen Kriegsschauplatz als
    „Feuerwehr“, die schnell von Ort zu Ort eilte, um die Krisenregionen zu schützen. So
    erbat etwa Heinrich von Fürstenberg, Hofmarschall und oberster Feldherr in den
    Vorlanden, von Maximilian die Unterstützung der Garde, um mit ihrer Hilfe das Elsass
    vor den Schweizern zu schützen.493 In einem zeitgleichen Brief an Maximilian selbst
    berichtete der Graf von einigen kleineren Scharmützeln und dem dringenden Bedarf der
    Garde nach Geld und Verpflegung. Offenbar hielt Graf Heinrich die Situation für
    brenzlig, denn er schließt den Brief mit den Worten „Geben mit eyl vmb 11 vren in der
    nacht“.494
    Die Botschaft muss Maximilian schnell erreicht haben, denn der König antwortet dem
    Grafen Fürstenberg bereits drei Tage später von Tettnang aus.495 Diese Ortschaft ist
    immerhin an die 200 Kilometer Luftlinie von Landser im Elsass entfernt. Bei den
    damaligen Straßenverhältnissen kann man sich gut vorstellen, dass die effektive
    Entfernung ein Vielfaches betrug.
    Auf jeden Fall hatte ein Meldereiter diese Distanz in zwei bis drei Tagen überwunden und
    Maximilian von den Problemen des Grafen berichtet. Dieser ließ sich ausnahmsweise
    nicht lange bitten und schickte Graf Fürstenberg am 9. Mai 1499 1.000 Gulden, um damit
    die Garde weiter in Dienst zu halten.496
    Inzwischen spitzte sich die Lage im Elsass zu: Am 9. Mai berichtete Fürstenberg an
    Maximilian, dass 10.000 Schweizer vom Sundgau nach Habsheim vorgestoßen waren, wo
    sie sieben oder acht große Dörfer niedergebrannt hatten. Heinrich von Fürstenberg schrieb
    diesen Brief von Lutterbach aus, das nur zehn Kilometer Luftlinie von Habsheim entfernt
    liegt. Fürstenberg bat Maximilian dringend um Verstärkung, da sein Heer nur 2.000 Mann
    zu Fuß und 300 Reiter umfasste und dem Gegner somit hoffnungslos unterlegen war.497
    Fürstenberg berichtete weiters, dass am Tag zuvor, also am 8. Mai, Teile der lang
    ersehnten burgundischen Garde eingetroffen seien. Allerdings kam nicht die erhoffte
    kampfstarke Eliteeinheit, sondern ein abgerissener Haufen, der laut Fürstenberg weder
    über Harnische noch Geld verfügte und daher nicht kämpfen konnte. Statt sich gleich in
    493 RI XIV n. 13220, Gf. Heinrich von Fürstenberg an Zyprian von Serntein, 6. Mai 1499, Landser im
    Elsass.
    494 Zitiert nach: RI XIV n. 13219, Gf. Heinrich von Fürstenberg berichtet KM, 6. Mai 1499, Landser im
    Elsass.
    495 RI XIV n. 9170, KM an Gf. Heinrich von Fürstenberg, 9. Mai 1499, Tettnang.
    496 Ebd.
    497 RI XIV n. 13232, Gf. Heinrich von Fürstenberg an KM, 9. Mai 1499, Lutterbach.
    140
    den Kampf zu werfen, forderten die Gardisten auch noch wegen ihrer Erschöpfung einen
    Ruhetag. Graf Fürstenberg schien darüber nicht sehr glücklich gewesen zu sein und so bat
    er Maximilian nochmals Versorgungsgüter für die Garde zu schicken.498
    Ganz anders schildert der mailändische Gesandte Giovanni Colla die Situation. Colla
    befand sich in Innsbruck, wo er von Boten über den Kriegsverlauf informiert wurde. Laut
    ihm verfügte Fürstenberg über 4.000 Mann zu Fuß und 200 zu Pferde, sowie über die
    burgundische Garde, die 1.500 Reiter umfasste.499 Zwischen den Aussagen von
    Fürstenberg und Colla klaffen Welten.
    Während Colla von 1.500 Kavalleristen berichtet, schreibt Fürstenberg über einen müden
    Söldnerhaufen, der keinen Kampfeswillen besitzt. Bei diesen Überlegungen ist natürlich
    auf die Perspektive der Autoren zu achten: Während Colla weitab des Geschehens in
    Innsbruck saß, befand sich Fürstenberg direkt am Ort. Allerdings darf die Aussage
    Fürstenbergs auch nicht zu hoch eingeschätzt werden, da er als Feldherr quasi dazu
    verpflichtet war, Maximilian Geld aus dem Kreuz zu leiern um seine Truppen möglichst
    gut zu versorgen. Deshalb konnte es durchaus sein, dass Fürstenberg den schlechten
    Zustand der Garde etwas übertrieben geschildert hatte.
    Die Bevölkerung des Sundgaus, des Breisgaus und des Elsass’ freute sich auf jeden Fall
    über die Ankunft der burgundischen Garde am 12. Mai 1499, so zumindest die
    königlichen Statthalter von Freiburg. Allerdings folgte auch hier rasch die Ernüchterung,
    denn die Garde wollte sich ohne Sold nicht gegen die Eidgenossen einsetzen lassen. Sollte
    Maximilian kein Geld schicken, so werde die Garde „zum Schaden der genannten
    Landschaften“ abziehen.500
    In der Zwischenzeit konnte sich Maximilian durch die Verlängerung des Waffenstillstands
    mit Frankreich im Westen zusätzlich Luft verschaffen. Dadurch war er in der Lage,
    weitere Einheiten der burgundischen Garde auf den eidgenössischen Kriegsschauplatz zu
    verlegen. Der päpstliche Gesandte Leonello Chieregati berichtet Alexander VI. nach
    einem Treffen mit Maximilian ausführlich über die Kriegspläne des Königs. Demnach
    berief Maximilian auch noch zahlreiche ungarische Husaren zu sich, leichte Reiter, die für
    jeden abgeschlagenen Kopf einen Gulden bekamen.501
    498 Ebd.
    499 RI XIV n. 13242, Der mailändische Gesandte Giovanni Colla berichtet Hg. Ludovico von Mailand, 10.
    Mai 1499, Innsbruck.
    500 RI XIV n. 13250, Die kgl. Statthalter und Räte zu Freiburg an KM, 12. Mai 1499, Freiburg im Breisgau.
    501 RI XIV n. 13278a, Der päpstliche Legat Leonello Chieregati berichtet Papst Alexander VI., 18. Mai
    1499, Ulm.
    141
    Die gleichen lobenden Worte über die Garde wie sein Landsmann Colla fand der
    Mailänder Gesandte Marchesinus Stanga. Er schreibt in seinem Bericht an den Herzog
    von Mailand, dass Maximilian drei große Heere zur Bekämpfung der Eidgenossen
    aufgestellt hatte. In einer dieser Armeen dienten 800 ausgewählte und kampferprobte
    Reiter der burgundischen Garde unter ihrem Hauptmann Friedrich Kappeller (Capeller)
    und dem Grafen von Fürstenberg.502
    Einen guten Anhaltspunkt für die Kopfstärke der burgundischen Garde findet man in
    einem Schreiben der Feldhauptleute Fürstenberg und Kappeller: Hierin erbaten die beiden
    von den Räten und Statthaltern der Stadt Freiburg, dass Graf Fürstenberg mit ungefähr der
    Hälfte jener Truppen, die bei Freiburg lagerten, in den Bodenseeraum ziehen durfte.
    Fürstenberg wollte dort nämlich die königlichen Truppen bei einer geplanten Schlacht
    unterstützen. Neben einigen anderen Einheiten wollte Fürstenberg 500 Reiter der
    burgundischen Garde mitnehmen. Friedrich Kappeller würde mit den restlichen Truppen,
    darunter den verbliebenen 600 burgundischen Reitern vor Ort bleiben.503
    Durch diese Zeilen erhält man endlich einen adäquaten Ansatz für die Kopfstärke der
    Garde. Sie muss demnach Ende Mai 1499 aus etwa 1.100 Reitern bestanden haben.
    Wie bereits erwähnt, verweigerte die burgundische Garde den Kampfeinsatz, sofern sie
    nicht rechtzeitig bezahlt wurde. Auch im Schweizerkrieg kam es offenbar öfters zu
    solchen Situationen, denn Ritter Melchior von Masmünster berichtet am 27. Mai 1499 an
    Maximilian, dass die Garde nur kämpfen werde, sollte sie im Voraus für einen Monat
    bezahlt werden.504 Anscheinend hatten die Verantwortlichen innerhalb der Eliteeinheit
    gemerkt, dass der König seinen Verpflichtungen nicht sehr häufig nachkommen konnte
    und so forderten sie ihren Lohn für eine längere Zeit im Voraus.
    Offenbar hatte Maximilian dann doch ausreichend Mittel zur Verfügung gestellt, denn am
  11. Juni 1499 traf man die Garde bereits wieder auf dem Schlachtfeld an. An diesem Tag
    zog Hauptmann Friedrich Kappeller mit insgesamt 600 Mann, darunter auch Teilen der
    Garde, bei Altkirch (Elsass) gegen die Eidgenossen. Die königlichen Truppen griffen die
    Schweizer frontal an, die sich in einer erhöhten Position befanden und zudem durch
    Wagen geschützt waren. In diesem Kampf, der den ganzen Tag andauerte („den ganzen
    Tag mit ihm [dem Feind] scharmützelt“), tat sich die burgundische Garde in besonderer
    502 RI XIV n. 13305, Der mailändische Gesandte Marchesinus Stanga berichtet Hg. Ludovico von Mailand,
  12. Mai 1499, Lindau.
    503 RI XIV n. 13318, Die Feldhauptleute Gf. Heinrich von Fürstenberg und Friedrich Kappeller an die
    Statthalter und Räte zu Freiburg, 25. Mai 1499, Altkirch.
    504 RI XIV n. 13332, Ritter Melchior von Masmünster an KM, 27. Mai 1499, Überlingen.
    142
    Weise hervor. Die Ratsherren von Altkirch hofften nämlich am Tag nach der Schlacht,
    dass man die Garde, „die gestern [1. Juni] so tapfer gekämpft hat, im Land halten zu
    können und dem Feind viel Abbruch zufügen zu können.“505
    Der Tag ging mit einem „großen“ Sieg zu Ende, bei dem die königlichen Truppen 30
    Pferde und einige Wagen erbeuten konnten. Außerdem gelang es ihnen den feindlichen
    Tross mit dem Proviant zu erobern und die Schweizer wieder in ihr Lager
    zurückzutreiben. Die Passage „die Zahl der erstochenen Feinde weiß man nicht […]“
    weist wohl auf eine hohe Anzahl Gefallener hin. Die Verfasser des Schreibens richteten
    abschließend die Bitte an Graf Fürstenberg, dass er baldmöglichst Geld zur Besoldung der
    Truppe anweisen solle. Denn, „Wenn die Garde abzieht, ist zu befürchten, daß Land und
    Leuten großer Schaden erwächst.“ Die dringende Bitte wird durch die Datumszeile noch
    betont: „Dattum vast yllennds yllennds [Hervorhebung durch den Autor] vff Sonntag nach
    Corporis Christi vmb das ein nach mittemtag 1499.“506
    Der mailändische Gesandte Marchesinus Stanga lieferte acht Tage später genauere Daten
    über die Schlacht. Stanga erfuhr direkt von Maximilian, „daß Friedrich Kappeller vor acht
    Tagen mit 600 Reitern der burgundischen Garde in Schweizer Gebiet eingefallen und
    dabei auf ca 2000 Schweizer gestoßen ist, die er in die Flucht geschlagen hat; von den
    Schweizern seien 300 gefallen, von den Leuten Kappellers nicht einer.“507
    Die Tatsache, dass Stanga die Neuigkeiten von Maximilian selbst erfährt, fördert nicht
    unbedingt die Authentizität der Nachricht. So ergeben sich einige Widersprüche im
    Vergleich mit dem Bericht Kapellers: So spricht Maximilian etwa von 600 burgundischen
    Gardisten, während Kappeller zwar mit 600 Mann antrat, wovon aber nur ein Teil aus der
    Garde bestand. Da der Hauptmann die Zahl der Feinde und deren Gefallenen nicht nennt,
    kann man durchaus annehmen, dass Maxmilian diese frei erfunden hat. Die Behauptung,
    dass keiner seiner Soldaten gefallen war, ist mit Sicherheit ebenso eine königliche
    Untertreibung.
    In einem dringenden Schreiben vom 3. Juni 1499 an König Maximilian kam Graf
    Fürstenberg noch einmal auf seine Geldnöte zu sprechen. Der Hofmarschall listete hier
    genau den Geldbedarf der einzelnen Einheiten auf, darunter auch den der burgundischen
    Garde. Fürstenberg schuldete demnach den Fußknechten 4.000, den übrigen Rittern und
    505 RI XIV n. 13376, Statthalter, Hauptmann Kappeller und Räte im Feldlager zu Altkirch an Gf. Heinrich
    von Fürstenberg, 2. Juni 1499, Altkirch.
    506 Ebd.
    507 RI XIV n. 9251, Der Mailänder Gesandte Marchesinus Stanga berichtet Hg. Ludovico von Mailand, 10.
    Juni 1499, Meran.
    143
    Edelknechten 2.000 und der Garde insgesamt 6.000 Gulden. Die geforderten Gelder
    sollten für jeweils einen Monat reichen. Die 6.000 Gulden für die Garde verteilen sich auf
    insgesamt etwa 1.000 Reiter, also durchschnittlich sechs Gulden pro Mann.508
    Wenn man nun davon ausgeht, dass die höheren Chargen innerhalb der Garde mehr
    verdienten als ein normaler Reiter, so lag das Lohnniveau nicht viel höher als das der
    Landsknechte (siehe Kapitel IV/5.). Dies verwundert durchaus, denn eigentlich müssten
    die schwer bewaffneten Panzerreiter mehr Sold erhalten, da sie ja auch mehr in ihren
    Unterhalt investieren müssen als einfache Landsknechte. Die Lösung dieser Diskrepanz
    könnte darin liegen, dass es sich nicht bei allen der erwähnten 1.000 Reiter um schwere
    Panzerreiter handeln dürfte, sondern auch um berittene Pagen oder Hilfstruppen.
    Einen aufschlussreichen Hinweis über das Verhältnis zwischen Maximilian und seiner
    Frau Bianca Maria bietet eine Geldforderung, in die auch die Garde verwickelt war: Die
    Königin befand sich im Juni 1499 in Freiburg im Breisgau und wäre gern abgereist.
    Allerdings schuldete sie der Stadt 1.000 Gulden, die auch der Hofmarschall Fürstenberg
    nicht bezahlen konnte. Fürstenberg hatte nämlich das Geld, das ihm zur Verfügung
    gestanden war, zur Besoldung der Garde und anderer Truppen verwenden müssen. Die
    Stadträte von Freiburg schrieben nun an Maxmilian, dass Bianca Maria sofort 700 Gulden
    benötige, um aufbrechen zu können, da „sie [die Stadträte] die Kgin [Königin] sonst nicht
    abreisen lassen können.“ Fürstenberg hatte nämlich das Geld, das er zur Verfügung hatte,
    zur Besoldung der Garde und anderer Truppen verwendet.509 Die Forderung der
    Breisgauer klingt nach Erpressung: Wenn Maximilian nämlich nicht ehestmöglich seine
    Schulden begleichen sollte, würde seine Frau weiterhin unfreiwilliger Gast der Breisgauer
    bleiben.
    Zu einem Desaster artete der nächste Einsatz der Garde in der Schlacht bei Dornach
    (heute im Kanton Solothurn) am 22. Juli 1499 aus. An jenem Tag verlor das königliche
    Heer nicht nur eine wichtige Schlacht, sondern auch ihren wichtigsten Kommandeur und
    den gesamten Artilleriepark. Diebold Schilling, der Jüngere, beschreibt in seiner
    Schweizer Bilderchronik diesen Tag folgendermaßen: „Die Schwaben [das königliche
    Heer] zogen [unter anderem] mit der welschen Garde vor das Schloß Dornach. Sie
    standen in heimlicher Verbindung mit Hans Imber von Gilgenberg, dem Bürgermeister
    von Basel, der ihnen versicherte, es gebe keine Eidgenossen in der Gegend von Dornach.
    508 RI XIV n. 13382, Gf. Heinrich von Fürstenberg an KM, 3. Juni 1499, Rheinfelden.
    509 RI XIV n. 13401, Die Statthalter und Räte in Freiburg an KM, 8. Juni 1499, Freiburg im Breisgau.
    144
    Die Städte Straßburg, Colmar und Schlettstadt schickten den Schwaben Hilfe. Die
    Eidgenossen hörten davon und sandten ihre Truppen nach Dornach. — Uf st. Marien
    Magdalenen [22. Juli] abent umb versperzit griffen die Eidgenossen die Feinde an. Die
    von Bern, Zürich und Solothurn eröffneten den Angriff. Die von Luzern und Zug stürmten
    den Berg hinunter und fielen den Schwaben in die Flanke. Uri und Schwyz zogen in
    Eilmärschen heran, kamen aber nicht mehr zurecht. — Die welsche Garde kam den
    Schwaben zu Hilfe. Aber die Eidgenossen schlugen die Schwaben in die Flucht,
    erbeuteten Silber, Gold, Waffen und Fahnen […]. Die Eidgenossen verloren gegen 100
    Mann und besetzten nach altem Brauch durch drei Tage das Schlachtfeld.“510 Der letzte
    Satz dieses Zitates weist wohl darauf hin, dass die Sieger nach der Schlacht das Recht
    hatten, die Gefallenen des Gegners zu plündern.
    In mehreren Schreiben nach dem 22. Juli wird betont, dass nur der Einsatz der
    burgundischen Garde eine vernichtende Niederlage verhindert hat. Denn, „Wäre die
    welsche (burgundische) Garde mit ihren 1100 Mann zu Pferd nicht gewesen und hätten
    die freien Knechte nicht das Ihre getan, wären wohl alle erschlagen worden“.511
    Abb. 40512: Die Schlacht von Dorneck, Ausschnitt aus einem zeitgenössischem Holzschnitt
    510 RI XIV n. 13581, Diebold Schillings Schweizer Bilderchronik, 22. Juli 1499, Zürich.
    511 RI XIV n. 13578, Mathäus Clauss berichtet der Stadt Nördlingen, 22./30. Juli 1499.
    512 Abb. aus: Fink, Hans Dieter (Red.): Die Schweiz in der Geschichte. [Band 1: 700 – 1700], Zürich 1995.
    145
    Ein weiterer Bericht zur Schlacht von Dornach, in welchem der Garde eine wichtige Rolle
    in diesem Gefecht zugesprochen wird, stammt vom spanischen Gesandten G. Gomez de
    Fuensalida. Neben dem Lob enthält dieses Schreiben eine kleine, aber wichtige Passage:
    In der Beschreibung der Garde erwähnt Fuensalida, dass „überraschend Spanier
    [Hervorhebung durch den Autor] und Burgunder aus KMs Garde erschienen“.513 Dieser
    Satz kann zwei Bedeutungen haben: Entweder kämpften spanische Truppen an der Seite
    der burgundischen Garde, oder die spanischen Soldaten waren ein Teil von ihr. Sollte
    letzter Fall zutreffen, wäre dies ein Hinweis auf die Rekrutierungswege innerhalb der
    burgundischen Garde. Demnach stellte man nicht nur Soldaten aus Burgund in den Dienst,
    sondern auch solche, die aus anderen Ländern stammten. In diesem Fall aus Spanien.
    Einen weiteren Hinweis auf spanische Mitglieder der burgundischen Garde bietet ein
    Eintrag in die Hofkammerbuchhaltung. Demnach erhielten „Anndres Dietz (Diaz?) und
    Petter Homo, Spaniolen aus der gard, bei ihrer endgültigen Entlassung aus dem Hofdienst
    für alle Ansprüche 50 flRh [Rheinische Gulden].“514
    Kaspar von Mörsberg, der neue Kommandant der Vorlande und somit auch der
    burgundischen Garde, hatte mit ähnlichen Problemen wie seine Vorgänger zu kämpfen.
    So richtete er bereits am 27. Juli, also nur fünf Tage nach der Schlacht bei Dornach, ein
    Bittschreiben an die Freiburger Statthalter. „Seit drei Tagen verhandelt er [Mörsberg] mit
    der (burgundischen) Garde, damit sie noch acht Tage bleibt, weil die Feinde mit 8000
    Mann in St. Jakob vor Basel liegen […] Die Garde will nur noch drei Tage dienen und
    sich dann auf den Weg nach Burgund machen, es sei denn, KM oder die Kgin oder die
    Freiburger Statthalter sichern ihr sofortige Bezahlung zu.“515
    Die Räte gaben dem Drängen Mörsbergs schließlich nach und gewährten der Garde 2.000
    Gulden. Sie fürchteten aber, wohl zu Recht, dass dieses Geld nicht lange ausreichen
    würde und so baten sie Maximilian um finanzielle Unterstützung. Neben dem Sold
    übergaben die Freiburger Räte der Garde auch noch 25 „gliger“ (Gelieger =
    Pferdeharnisch). Diese Ausrüstung erfolgte auf direkten Befehl Maximilians.516
    513 RI XIV n. 9363, Der spanische Gesandte G. Gomez de Fuensalida berichtet den span. Kgen., 28. Juli
    1499, Lindau.
    514 RI XIV n. 15096, Eintragung in die Hofkammerbuchhaltung, 23. März 1501, Linz.
    515 RI XIV n. 13603, Kaspar von Mörsberg an die Statthalter zu Freiburg im Breisgau, 27. Juli 1499,
    Altkirch?.
    516 RI XIV n. 13634, Die Statthalter und Räte in Freiburg an KM, 5. August 1499, Freiburg im Breisgau.
    146
    Nach der letzten großen Schlacht der Schweizerkriege bei Dornach beruhigte sich die
    Lage langsam. Bereits vor dem Friedenschluss in Basel am 22. September 1499 konnte
    Maximilian die Garde deshalb an einen anderen Einsatzort schicken.
    Herzog Ludovico von Mailand befand sich sowohl mit Frankreich, als auch mit Venedig,
    im Krieg. Obwohl Mailand ein wohlhabendes und militärisch starkes Herzogtum war,
    erkannte Ludovico bald, dass dieser Krieg seine Mittel überstieg. Der Herzog wandte sich
    nun an König Maximilian um Hilfe. Seit der Vermählung mit Ludovicos Nichte Bianca
    Maria im Jahre 1494 war der König mit dem mailändischen Herzog verschwägert. Da zur
    Besiegelung der Ehe immense Geldmengen an Mitgift in Maximilians Taschen geströmt
    waren, konnte der König diese Bitte nicht abschlagen. Auch gehörte das mailändische
    Herzogtum offiziell zu den Reichsfürstentümern.517
    Neben Verstärkungen seiner Truppen an der Grenze zu Venedig und einem Beistandspakt,
    erbat Herzog Ludovico die Entsendung der burgundischen Garde nach Mailand. Im
    Gegenzug erklärte er sich dazu bereit, dem König 100.000 Dukaten zu zahlen, sowie
    4.000 Mann Fußknechte zu stellen. 518 Dem Herzog bedeutete demnach die Kampfkraft
    der Garde mehr als die seiner eigenen Knechte.
    Maximilian zeigte sich über die Forderungen seines Verwandten nicht sehr erfreut. Er
    gestattete zwar den Zug einige tausend Fußknechte, aber die burgundische Garde
    verweigerte er den Mailändern. „Die 1200 Reiter der burgundischen Garde wurden von
    Mailand angeworben, womit KM nicht einverstanden war. […] Daher ging die Garde
    nicht in die Lombardei, was den Mailändern sehr mißfiel.“519
    Statt der Garde schickte Maximilian Ende Oktober 400 Panzerreiter nach Mailand. Wobei
    in einem Schreiben ausdrücklich betont wird, dass es sich nicht um die Garde handelte.520
    Ein Schreiben des päpstlichen Gesandten Chieregati enthält in diesem Zusammenhang
    einen Widerspruch. Chieregati schreibt nämlich am 31. Oktober 1499, dass „Hg Ludovico
    […] gewaltige Auslagen […] für die burgundische Garde“521 hat. Da Maximilian die
    Garde ausdrücklich nicht nach Mailand geschickt hatte, wird es sich hier wohl um ein
    Missverständnis handeln. Chieregati könnte die oben erwähnten 400 Panzerreiter gemeint
    haben. Auszuschließen ist aber nicht, dass sich einige Mitglieder der Garde über das
    Verbot Maximilians hinwegsetzten und sich in den Dienst Mailands gestellt haben.
    517 Noflatscher: Maximilian I..
    518 RI XIV n. 13673, Hg Ludovico von Mailand an Galeazzo Visconti, 16. August 1499, Mailand.
    519 RI XIV n. 13726a, Der päpstliche Legat Leonello Chieregati an Papst Alexander VI., 2. September 1499,
    Innsbruck.
    520 RI XIV n. 13805, Sanuto erfährt vom venez. Provveditore aus Riva, 24. Oktober 1499, Riva del Garda.
    521 RI XIV n. 13814a, Der päpstliche Legat Leonello Chieregati an Papst Alexander VI., 31. Oktober 1499,
    Rovereto.
    147
    Bereits Anfang November 1499 scheint sich König Maximilian die Sache mit der
    Entsendung der Garde nach Mailand aber dann doch anders überlegt zu haben. Denn am
  13. November schreibt Giovanni Gonzaga an einen Unbekannten, dass Herzog Ludovico
    „am 1. Jänner (1500) mit 1000 Schweizern und 1000 homeni d’arme (Panzerreitern) aus
    Burgund (=burgundische Garde) den Feldzug in Italien (zur Rückeroberung Mailands)
    beginnen will.“522 Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Garde noch in Schwaben, wo sie
    auf Soldzahlungen wartete.523
    Das neue Jahr bescherte daher der burgundischen Garde ein neues Einsatzgebiet. Von
    Schwaben war sie im Dezember Richtung Trient abgezogen, wo Herzog Ludovico in
    seinem Exil auf Truppen wartete. Im Jahr zuvor hatte ihn nämlich der französische König
    Ludwig XII. aus Mailand vertrieben. Zu Beginn des Jahres 1500 startete der Herzog nun
    die Wiedereroberung und konnte mit Hilfe von eidgenössischen und österreichischen
    Söldnern, sowie der burgundischen Garde, schon nach kurzer Zeit die Stadt Chiavenna
    (heute Provinz Sondrio) kampflos einnehmen. In den Januarkämpfen scheinen die
    burgundischen Panzerreiter ihre Waffen verschlissen zu haben, denn man bat Maximilian
    dringend um die Entsendung von tausend Lanzen für die Garde.524
    Bereits am 4. Februar konnte Herzog Ludovico wieder in Mailand Einzug halten. Es war
    ihm gelungen, mit Hilfe der Truppen aus dem Reich und der Eidgenossenschaft die
    Franzosen zurückzudrängen. Insgesamt verfügte der Herzog, neben seinen eigenen
    Truppen über „8000 Landsknechte [von Maximilian gestellt], die reisige (berittene),
    welsche (burgundische) Garde samt Geschützen, 6000 Eidgenossen, vor allem Berner,
    und 3000 Walliser.“525
    Das nächste Ziel der Mailänder war die Stadt Novara, welche eine gute Ausgangsposition
    für die weitere Rückeroberung des Herzogtums bot. Der Herzog marschierte dort am 22.
    März ein, dabei folgten ihm 5.000 Schweizer, 7.000 deutsche Fußknechte, etwas über
    1.200 Burgunder und 1.000 italienische Knechte. Während diese Truppen in der Stadt
    verblieben, kehrte Ludovico nach Mailand zurück, wo er 1.000 Reiter der burgundischen
    Garde erwartete.526
    522 RI XIV n. 13853, Giovanni Gonzaga an NN, 19. November 1499, Mantua.
    523 RI XIV n. 13844, Gf. Ulrich von Montfort an KM, 16. November 1499, Tettnang.
    524 RI XIV n. 9739, Franciscus de Montibus an Hg Ludovico von Mailand, 24. Jänner 1500, Innsbruck.
    525 RI XIV n. 13937, Der zeitgenössische Schweizer Geschichtsschreiber Anshelm berichtet, 5. Februar
    1500, Mailand.
    526 RI XIV n. 14007, Der venez. Sekretär Sanuto erfährt von Trevi, 27. März 1500.
    148
    Inzwischen spitzte sich die Lage in Novara zu, denn König Ludwig war mit einer großen
    Streitmacht vor die Stadt gezogen. Herzog Ludovico befand sich zu diesem Zeitpunkt
    wieder in der belagerten Stadt und bemühte sich verzweifelt den Kampfgeist seiner
    Truppen zu stärken. Eidgenössische Reisläufer, die auf beiden Seiten kämpften, fungierten
    als Unterhändler und so kam es zwischen diesen zu einer Einigung. Die Franzosen
    versprachen den deutschen Landsknechten, den Eidgenossen und der burgundischen
    Garde den freien Abzug samt Waffen und Besitz, sollten sie die Stadt übergeben.527
    Was nun geschah, berichtet der eidgenössische Chronist Anselm: „Die [eingeschlossenen]
    Eidgenossen nahmen den Hg (als Geisel) fest für den Fall, daß sie nicht erretet (geschont)
    würden, verkleideten ihn uf tütsche manier und stellten ihn unter die (deutschen)
    Landsknechte. — Am Fritag frue (10. April) bereitete man den Abzug vor. Die Franzosen
    hatten erfahren, daß sich der Hg (verkleidet) unter den deutschen Knechten befand, griffen
    die abziehenden Landsknechte an und forderten drohend die Herausgabe des Hgs. Ein
    Trabant aus Uri verriet den Hg, der sich den Eidgenossen gefangen gab. Der Verräter
    erhielt 200 Kronen. Auch des Hgs Freunde und Diener wurden gefangen, beraubt und
    viele erstochen. — Die Schweizer zogen ab, plünderten vorher die Vorratslager von
    Mailand, brachten viel Geld und ewige Schande nach Hause. Der Hg wurde dem Kg von
    Frankreich ausgeliefert, der ihn zu Loches […] gefangenhielt.“528 Herzog Ludovico sollte
    nie mehr nach Mailand zurückkehren, er starb 1508 in Gefangenschaft des französischen
    Königs in Loches. Die Übergabe der Stadt ging als der „Verrat von Novara“ in die
    Geschichte ein.
    Allein die Garde scheint an dem Verrat nicht teilgenommen haben, so ein päpstlicher
    Gesandter: „In Rom traf die Nachricht ein, daß im Krieg zwischen dem Hg von Mailand
    und den Franzosen die Schweizer Söldner des Hgs — nicht die burgundische Garde
    [Hervorhebung durch den Autor] — den Kampf gegen die Franzosen verweigerten.“529
    Nach dieser Niederlage zog die burgundische Garde zurück in die vorderösterreichischen
    Lande. Sie scheint aber erst wieder im August 1500 auf, als die Garde aufgrund ihrer
    Schulden von Maximilian ausgelöst werden musste.530
    527 RI XIV n. 14031, Der zeitgenössische Schweizer Geschichtsschreiber Anshelm berichtet, 9./10. April
    1500, Novara.
    528 Ebd.
    529 RI XIV n. 14032, Der päpstliche Zeremonienmeister Johannes Burchard berichtet in seinem Tagebuch,
  14. April 1500, Novara.
    530 RI XIV n. 10636, Eintrag in die Hofkammerbuchhaltung, 2. August 1500, Augsburg.
    149
    In den nächsten Jahren finden sich keine Hinweise auf ihren Einsatz. Die einzigen
    Erwähnungen in den Regesten betreffen Soldzahlungen bzw. Abfertigungen an einzelne
    Soldaten, die aus dem Dienst ausschieden. So bemühte sich Maximilian am 20. März
    1502, die burgundische Garde von ihren Wirtshausschulden in Augsburg zu befreien.
    Anschließend befahl er ihr, über Salzburg nach „St. Veit am Phlawm“ (St. Veit am
    Flaum/Pflaum, heute Rijeka/Fiume, Kroatien) zu reisen.531 Damit wollte Maximilian wohl
    seine Grenzen gegen Venedig besser schützen.
    Zur Jahreswende 1502/1503 befand sich die Garde aber schon wieder im allgäuischen
    Isny. Dort musste König Maximilian nämlich wieder einmal ihre Schulden begleichen.532
    Der Krieg war aber nicht der einzige Daseinszweck der burgundischen Garde. Vielmehr
    repräsentierte sie aufgrund ihrer schmucken Aufmachung Maximilians Liebe zur
    öffentlichen Zurschaustellung von Macht und Prunk. Ausländische Gesandte zeigten sich
    oft beeindruckt von den Reitern des Königs, so etwa Gaspare de Comite: „Mit KM zog
    ein Teil seiner Garde, nämlich 800 nach italienischer Art gerüstete homeni d’arme
    [Panzerreiter], und mehr als 1000 stambuchieri [vielleicht von ital. stambecco =
    Steinbock, sie gehörten nicht zur Garde] zu Pferd, die besser bewaffnet waren, als es
    Comite je zuvor gesehen hat. Dies war möglich, weil der Kg (Heinrich VII.) von England
    nach Abschluß des Vertrages mit KM diesem neben vielen schönen Geschenken 60000
    scudi in bar geschickt hat, die KM zum Großteil seiner Garde hat zukommen lassen; pro
    Pferd wurden 100-200 scudi aufgewendet.“533
    Auch abseits des Schlachtfeldes kümmerte sich der König um seine Soldaten,
    insbesondere um jene seiner Garde. Ein Beweis hierfür ist ein Eintrag in die
    Hofkammerbuchhaltung aus dem Jahr 1500. Hierin weist der König die Hofkammer an,
    „einem kranken Fußknecht der Garde aus Gnade zur Abfertigung 4 flRh“ zu geben.534
    In den bislang publizierten Maximilianregesten ist die burgundische Garde letztmals am
  15. März 1504 erwähnt. Wie so oft handelt es sich auch hier um nicht bezahlte Schulden
    der Garde. In diesem Eintrag befahl Maximilian, der Raitkammer in Innsbruck der Stadt
    Isny im Allgäu die Stadtsteuer zu erlassen, bis der geschuldete Betrag von 360 Gulden
    531 RI XIV n. 16255, KM an Dietrich Stengl, 20. März 1502, Innsbruck.
    532 RI XIV n. 20228, KM (=Hofrat) an die Innsbrucker Raitkammer, 21. Jänner 1503, Augsburg.
    533 RI XIV n. 17408, Gaspare de Comite berichtet Alessandro di Besaza, 10. Juli 1503, Füssen(?).
    534 RI XIV n. 11118, Eintrag in die Hofkammerhaltung, 28. Oktober 1500, Nürnberg.
    150
    abbezahlt wäre.535 Der König war offenbar nicht in der Lage, kurzfristig die erforderlichen
    Mittel aufzutreiben.
    Mit dieser Episode endet vorläufig die Geschichte der burgundischen Garde. Im folgenden
    Abschnitt soll die Kommandostruktur der Garde beleuchtet werden. Hierbei liegt der
    Schwerpunkt auf zwei bewährten Kommandanten, nämlich Friedrich Kappeller und Graf
    Heinrich von Fürstenberg.
    3.2. Kommandostruktur
    Nur in seltenen Fällen lassen sich Offiziere der burgundischen Garde anhand der
    Maximilianregesten identifizieren. Eine Ausnahme bilden Johann de Berne und Georgius
    Olinamart. Leider erfährt man nichts über ihr Wirken, da sie nur in zwei Einträgen der
    Hofkammerbuchhaltung aufscheinen: „Johann de Berne, Hptm von der Garde
    [Hervorhebung durch den Autor], erhält als Zehrung in Abschlag seiner Forderungen 125
    flR].“536 „Dem Georgius Olinamart, capitaner aus der Garde [Hervorhebung durch den
    Autor], zur Abfertigung in Abschlag seiner Forderungen 20 flRh.“537
    Aus diesen wenigen Zeilen erfährt man nicht besonders viel. Johann de Berne wird als
    Hauptmann angesprochen, während Georgius Olinamart den Rang eines „capitaner“ inne
    hat. Letztere Bezeichnung dürfte wohl der zeitgenössische Ausdruck für Hauptmann sein.
    Der Name „Johann de Berne“ lässt auf Bern (frz. Berne) als Herkunftsort des Mannes
    schließen. Dies würde bedeuten, dass neben Spaniern auch andere fremdstämmige
    Soldaten in der Garde Dienst taten.
    Neben den eigenen Offizieren der Garde kommandierte immer ein Feldhauptmann die
    burgundische Garde als Teil eines größeren Heeres. Anhand der Regesten kann man
    zumindest zwei dieser höheren Befehlshaber etwas genauer erfassen, nämlich Friedrich
    Kappeller (auch als Capler, Capeller u. ä. bezeichnet), sowie Graf Heinrich von
    Fürstenberg.
    Friedrich Kappeller (französische Schreibweise: Frédéric Cappler) wurde wahrscheinlich
    um 1440 in Masmünster im Sundgau (heute frz. Masevaux, Departement Haute-Rhin)
    535 RI XIV n. 18470, KM an Landhofmeister, Marschall, Kanzler, Statthalter und Räte des Regiments und
    der Raitkammer in Innsbruck, 29. März 1504, Augsburg.
    536 RI XIV n. 11100, Eintrag in die Hofkammerbuchhaltung, 22. Oktober 1500, Donauwörth Oettingen in
    Bayern.
    537 RI XIV n. 11152, Eintrag in die Hofkammerbuchhaltung, 6. November 1500, Nürnberg.
    151
    geboren. Ganz seinem Vater nachfolgend, erlernte der junge Friedrich das
    Söldnergewerbe und verdingte sich bei verschiedenen Herren. Im Jahr 1470 trat er
    schließlich in den Dienst Herzog Karls des Kühnen von Burgund, wo er sich durch
    besondere Tapferkeit hervortat. So etwa auch in der verlorenen Schlacht bei Murten (22.
    Juni 1476), nach der Kappeller zum Ritter erhoben wurde. Nach dem Tod Herzog Karls
    bei Nancy 1477 verdingte er sich als Söldnerhauptmann. So führte Kappeller etwa 1487
    tausend Reiter vom Rhein nach Trient, wo er Herzog Sigmund von Tirol gegen Venedig
    zu Hilfe kam. Friedrich Kappeller feierte einen glanzvollen Sieg gegen die Venezianer in
    der Schlacht von Calliano538. Hier zeigte der Hauptmann militärische Qualitäten und
    führte seine Truppen zum Sieg gegen die zahlenmäßig überlegenen Venezianer. Trotz des
    Todes des venezianischen Feldherren Sanseverino geriet der Feldzug Herzog Sigmunds
    aber ins Stocken und verkam zu einem wüsten Plündern.539
    Friedrich Kappeller wird in den Regesten das erste Mal 1493 erwähnt, als ihn das
    Regiment von Innsbruck „auf Lebenszeit zum Rat und Diener von Haus aus“ ernannte.
    Kappeller sollte für seine Dienste einen Lohn von 400 Gulden pro Jahr erhalten.540 Diese
    beträchtliche Summe entsprach in etwa dem Lohn eines Landsknechthauptmanns laut den
    Bestimmungen des Reichstags zu Konstanz 1507.541 Auch wenn Friedrich Kappeller nicht
    direkt als Hauptmann angesprochen wird, kann man aus dem hohen Salär auf seinen
    hohen militärischen Rang schließen.
    Zeitgleich mit Friedrich wird übrigens auch sein Bruder Wilhelm Kappeller in die Dienste
    des Innsbrucker Regiments gestellt. Allerdings erhält Wilhelm „nur“ einen Lohn von 200
    Gulden pro Jahr.542
    Maximilian setzte Kappeller zunächst in seinen Auseinandersetzungen mit dem
    französischen König ein, bei dem es um das burgundische Erbe ging. Nach mehreren
    Niederlagen Maximilians konnte Kappeller schließlich in der Schlacht bei Salins, in der
    Nähe von Besancon eine entscheidende Wende herbeiführen. Er lauerte den Franzosen am
  16. Jänner 1493 in einem Engpass auf, wo er sie mit seinen Truppen vernichtend schlagen
    konnte. Dieser entscheidende Sieg ermöglichte Maximilian die Rückgewinnung des
    538 Bischoff,: Un „condottiere“ austro-bourguignon, S. 146-149.
    539 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Band I, 339.
    540 RI XIV n. 2836, Eintrag von KM (= Innsbrucker Regiment), 14. November 1493, Innsbruck.
    541 Miller: Landsknechte, S. 6.
    542 RI XIV n. 2837, Eintrag von KM (= Innsbrucker Regiment), 14. November 1493, Innsbruck.
    152
    größten Teils der Freigrafschaft Burgund und ebnete den Weg zum Friedensvertrag von
    Senlis (23. Mai 1493).543
    Im Juni 1495 sammelte Kappeller in Basel 1.500 Reiter, mit denen er nach Italien ziehen
    sollte.544 Für Maximilian war Kappeller ein hervorragender Hauptmann, wie ein
    venezianischer Gesandter im Jahre 1495 berichtete: „KM habe ihnen [den venezianischen
    Gesandten] auf ihre Schilderung der Lage in Italien geantwortet, daß er alles in seinen
    Kräften Stehende getan und seine besten Hauptleute, nämlich Sigmund von Welsberg,
    Friedrich Kappeller [Hervorhebung durch den Autor] und Georg von Ebenstein, mit 6000
    Knechten nach Italien geschickt habe.“545
    Im Schweizerkrieg scheint Kappeller dann des Öfteren auf. So wird er dort erstmals in
    einem Bericht des Landvogtes Mörsberg erwähnt, wo er Ende Februar 1499 einen Zug
    Reisige und 1.000 ausgewählte Landsknechte nach Waldshut führen sollte.546
    Obwohl sich ein Feldhauptmann wahrscheinlich nicht in vorderster Front befand, kam es
    durchaus vor, dass auch er Verletzungen davontragen musste. So passierte es Kappeller
    bei der Niederlage im Gefecht am Bruderholz (Kanton Basel).547
    Ein einschneidendes Ereignis der Schweizerkriege bildete die Niederlage des königlichen
    Heeres bei Dornach. Nach dieser Schlappe kam das Gerücht in Umlauf, dass auch
    Friedrich Kappeller, neben zahlreichen anderen hohen Offizieren (u. a. Graf Heinrich von
    Fürstenberg), zu den Gefallenen gezählt hätte.548
    Um jeden Zweifel am Tod des Hauptmanns auszuräumen, erklärte Maximilian einem
    Gesandten aus Mailand explizit, dass Kappeller und dessen Bruder nicht umgekommen
    seien. Der König erwähnte aber den gesicherten Tod Graf Fürstenbergs.549 In den
    Maximilianregesten taucht Friedrich Kappeller nach dem Juli 1499 jedenfalls nicht mehr
    auf. Vielleicht setzte sich der Hauptmann zur Ruhe, immerhin war er 1499 bereits 59
    Jahre alt.
    543 Wiesflecker: Kaiser Maximilian I., Band I, 339.
    544 RI XIV n. 1913, Die venezianischen Gesandten Z. Contarini und B. Trevisano berichten vom Königshof
    nach Venedig, 15. Juni 1495, Worms.
    545 RI XIV n. 1986, Die venezianischen Gesandten Zaccaria Contarini und Benedetto Trevisano berichten
    vom Kgshof nach Venedig, 25. Juni 1495, Worms.
    546 RI XIV n. 12983, Der Landvogt im Elsass K. von Mörsberg an Niklas von Firmian, 24. Februar 1499,
    Waldshut.
    547 RI XIV n. 13081, Der Schweizer Chronist Valerius Anshelm berichtet, 22. März 1499, Bruderholz.
    548 U. a. RI XIV n. 13587, Die Statthalter und Räte in Freiburg an KM, 23. Juli 1499, Freiburg im Breisgau,
    sowie: Bischoff: Un „condottiere“ austro-bourguignon, S. 148.
    549 RI XIV n. 9357, Der mailändische Gesandte Agostino Somenza berichtet Hg. Ludovico von Mailand, 26.
    Juli 1499, Lindau.
    153
    Im Jahr 1506, also sieben Jahre nach der Niederlage von Dorneck, verstarb dieser
    außergewöhnliche Heerführer, der sowohl Karl dem Kühnen als auch Maximilian stets
    treu zu Diensten war. Kappellers Erben ließen seinen Leichnam in der Abteikirche von
    Masmünster in einem prächtigen Sarkophag zur letzen Ruhe betten. Leider verschwand
    die Grabplatte, die Kappeller in voller Rüstung zeigte, in den Wirren der Französischen
    Revolution. Dank eines Aquarells in einem Kodex der Familie Waldner von Freundstein
    aus dem 18. Jahrhunderts ist uns zumindest das Aussehen dieses Grabmals überliefert.
    Abb. 41550: Die Grabplatte Friedrich Kappellers
    Über den zweiten namentlich bekannten Oberbefehlshaber der Garde, Graf Heinrich VII.
    von Fürstenberg, findet sich ungleich mehr Material als zu Friedrich Kappeller.
    Fürstenberg wurde 1464 als Sohn des Grafen Konrad von Fürstenberg und der Gräfin
    Kunigunde von Matsch geboren. Im Jahr 1493 scheint Heinrich als Rat am Hofe
    Maximilians auf, ab 1496 als Hofmarschall. Graf Heinrich bekleidete zudem das Amt des
    obersten Feldhauptmanns in den Vorlanden und war damit der direkte Vorgesetzte von
    Friedrich Kappeller. Wie bereits erwähnt, fiel Fürstenberg in der Schlacht bei Dornach am
  17. Juli 1499.551
    Es ist anzunehmen, dass unter Graf Fürstenberg als Oberbefehlshaber der königlichen
    Truppen, Kappeller die Garde in Dornach kommandierte. Man möchte nun meinen, dass
    die Garde nach dem Tod Fürstenbergs dem Krieg den Rücken gekehrt hätte. In weiterer
    550 Abb. aus: Bischoff: Un „condottiere“ austro-bourguignon, S. 153 unten.
    551 Riezler: Fürstenberg, S. 223-226.
    154
    Folge sind aber kaum Unterschiede zu erkennen. Die Garde wurde wie gewöhnlich
    eingesetzt und forderte, wie üblich, regelmäßig säumige Soldzahlungen ein.
    Aufgrund dieser Tatsachen ist es wahrscheinlich, dass die burgundische Garde unter
    eigenen Offizieren kämpfte. Diese Offiziere waren die eigentlichen taktischen
    Kommandanten, während der Oberbefehlshaber vom König nach Belieben ausgewechselt
    werden konnte und deswegen keinen nachhaltigen Einfluss ausübte. Der
    Oberbefehlshaber war für die Positionierung der Truppe und vor allem für ihre
    Finanzierung zuständig.
    Einer dieser effektiven Kommandanten war Louis de Vauldrey, dessen Name uns in
    zahlreichen Schreibvarianten begegnet, wie etwa Loys de Vanndre, Loys de Wandre, Loy
    de Wadron, L. de Waudre oder Aluysio de Vauldre.552
    In welcher Schreibweise auch immer, Louis de Vauldrey, kam zwischen 1445 und 1450 in
    der Franche Comté zur Welt. In der Nachfolge seines Vaters Guillaime erbte er den Titel
    des Herrn von Mutigné.553 Nach seiner militärischen Ausbildung und zahlreichen
    Einsätzen im Burgund Karls des Kühnen wurde der junge Vauldrey 1470 als Ritter in die
    Garde des Herzogs aufgenommen. Nach dessen Tod kämpfte er für Maximilian gegen die
    Franzosen. So erstürmte er z. B. am 8. Juli 1489 an der Spitze von hundert Rittern das
    Schloss von Genappe (heute Belgien).554
    In den Niederländischen Kriegen hatte sich Louis de Vauldrey offenbar ausgezeichnet,
    denn Maximilian übertrug ihm von 1492 bis 1500 und dann noch einmal 1504 den Befehl
    über die burgundische Garde.555
    In Folge dieses Kommandos nahm Vauldrey auch am Schweizerkrieg teil. Laut einem
    Bericht Graf Fürstenbergs wird „Loys de Vanndre (Vauldrey) […] mit seinen 400 Reitern
    (der burgundischen Garde) KM zuziehen.“556 Auch in diesem Konflikt tat sich Vauldrey
    hervor, sodass der Chronist Valerius Anshelm 1499 folgendes über ihn berichtete:
    Vauldrey befehligte einen Teil des Heeres, das nach Dornach ziehen sollte: Zum Heer
    gehörte auch die „Burgundsche, die frye welsche Gard genempt, 400 Rüter […] unter dem
    thüren Hauptmann Loy de Wadere [Hervorhebung durch den Autor]“.557
    552 Entnommen aus verschiedenen Regesten der Regesta Imperii.
    553 Bischoff: Vive Osteriche et Bourgogne, S. 185.
    554 Ebd., S. 170f.
    555 Ebd., S. 162.
    556 RI XIV n. 13333, Graf Heinrich von Fürstenberg schreibt an die Statthalter in Freiburg, 27. Mai 1499
    Altkirch.
    557 Stierlin, E., I. R. Wyß (Hg.): Valerius Anshelm’s, genannt Rüd, Berner-Chronik, von Anfang der Stadt
    Bern bis 1526, [Dritter Band, die Schlacht bey Dornach, 1499, und bis gegen das Ende des Jetzerischen
    155
    In der Schlacht von Dornach war es Vauldrey zu verdanken, dass aus der Niederlage keine
    Desaster, sondern ein ehrenvoller Rückzug wurde. De Vauldrey diente Maximilian auch
    noch im Konflikt um das Herzogtum Mailand, bis er 1511 verstarb.558